Munro-Bagging ist in Schottland ein wahrer Volkssport. Jedes Wochenende stürmen Outdoor-begeisterte Einheimische einen oder mehrere der 282 höchsten Gipfel des Landes. Auch bei Touristen, die zum Wandern in Schottland sind, wird das „Einsacken von Munros“ immer beliebter. Erfahre hier, was Munro-Bagging ausmacht, warum es so beliebt ist und welche der 282 höchsten Berge sich besonders gut für Einsteiger eignen.
Was ist ein Munro?

Ein Munro ist ein Berg in Schottland, der mindestens 3.000 Fuß hoch ist – das sind 914,4 m.
Der Namensgeber für diese Gipfel war Sir Hugh Munro, der im Jahre 1891 zum ersten Mal eine Liste mit allen Gipfeln in Schottland erstellt hat, die mehr als 3.000 Fuß hoch sind.
Ursprünglich beinhaltete diese Liste auch die Nebengipfel der Munros, die mindestens 3.000 Fuß hoch sind. Mittlerweile hat man das aber getrennt, sodass es heute eine Liste mit 282 Munros gibt, und eine separate Liste für die Nebengipfel – 222 Munro Tops.
Das bei Einheimischen zum Volkssport gewordene Munro-Bagging bezieht sich auf das Erklimmen der „echten“ Munros, also der 282 höchsten Gipfel.
Der höchste davon ist Ben Nevis in den West Highlands, der gleichzeitig auch der höchste Berg in Großbritannien ist. Er bringt es auf 4.413 Fuß – das sind 1.345 m. Der einzige andere Berg, der ebenfalls höher als 1.300 m ist, ist Ben Macdui in den Cairngorms mit 1.309 m (4.295 Fuß).
Fun Fact
Bis 1847 war unklar, ob Ben Nevis oder Ben Macdui der höchste Berg Großbritanniens ist. Erst als der britische Vermessungsdienst – Ordnance Survey – genaue Messungen per Triangulation vornahm, war klar, dass Ben Nevis höher ist.
Einige von Königin Victorias Bediensteten schlugen dann vor, eine riesige Menge an Steinen auf Ben Macdui aufzuschichten, damit er Ben Nevis überragen würde. Grund dafür: Ben Macdui liegt auf dem Land der königlichen Familie und man fand es eine gute Idee, auf diesem Land auch den höchsten Berg Großbritanniens zu haben. Das Vorhaben wurde jedoch nie umgesetzt, sodass Ben Macdui nach wie vor die Nummer 2 hinter Ben Nevis ist.
Die Munros sind über die gesamten Highlands verstreut, wobei man die meisten davon in den westlichen und zentralen Highlands (inklusive der Cairngorms) findet. Die einzigen schottischen Inseln, auf denen es Munros gibt, sind Skye und Mull.
Listen abhaken macht glücklich

Für viele Menschen ist es motivierend, Listen abzuhaken und den eigenen Fortschritt zu sehen. Kombiniert man das mit den Glückshormonen, die beim Bergwandern freigesetzt werden, und mit unserem Abenteuertrieb, ist es nicht verwunderlich, warum Munro-Bagging bei Jung und Alt gleichermaßen so beliebt ist.
Vor allem an den Wochenenden in der schneefreien Zeit (und bei schönem Wetter!) trifft man auf den Munro-Strecken sehr viele Wanderer. Oft lässt sich schon am Straßenrand oder auf Parkplätzen erkennen, dass dort ein Startpunkt für eine Munro-Tour ist: Dort parken am Wochenende und in der Hauptsaison von April bis September immer überdurchschnittlich viele Autos. Es empfiehlt sich daher, früh anzukommen, damit man noch einen Parkplatz bekommt, besonders wenn der Wetterbericht Traumwetter verspricht.
Im Schnitt dauert es 8 Jahre, bis ein Einheimischer, der typischerweise am Wochenende oder im Urlaub wandern geht, die Runde mit den 282 höchsten Gipfeln geschafft hat. Manche setzen sich aber auch höhere Ziele und stellen immer neue Rekorde auf. Derzeit (Stand: Mai 2025) hält die Ultraläuferin Jamie Aarons den Rekord für die schnellste Runde: Sie hat im Juni 2023 innerhalb von 31 Tagen alle 282 Gipfel erklommen UND ist zusätzlich, um die Startpunkte der Wanderungen zu erreichen, entweder mit Kajak oder Fahrrad unterwegs gewesen – eine wahre Meisterleistung.
Die magischen 282 Munros – manche MÖCHTE man machen, manche MUSS man machen

Manche Munros sind beliebter als andere. Auf die einen möchte man am liebsten mehrmals rauf, auf andere muss man halt einmal rauf, damit man sie abhaken kann. Es gibt schöne Wanderstrecken, die bei gutem Wetter eine absolut herrliche Aussicht garantieren und auf denen man auf spaßigen Routen unterwegs ist.

Bei manchen anderen kämpft man sich kilometerlang durch sumpfige Moorlandschaften, nur um einen tristen Ausblick auf eine wenig spektakuläre Landschaft zu bekommen. Das sind der Segen und der Fluch des Munro-Bagging, wenn man wirklich auf alle 282 Gipfel steigen möchte.
Wem das Abhaken von Listen nicht so wichtig ist, der konzentriert sich lieber auf die Sahnestücke. Und hier die gute Nachricht: Von denen gibt es mehr als von der „Da muss man durch“-Kategorie.
Munro-Bagging für Anfänger – Welche Gipfel sind gut geeignet?
Nicht alle Munros sind gleich vom Schwierigkeitsgrad her. Die Routen variieren je nach Berg von „sehr einfach“ (bei gutem Wetter) bis „sehr anspruchsvoll“ (bei gutem Wetter).
Ich stelle dir hier drei Munros vor, die auch von Schottland-Neulingen gut zu meistern sind – gute Wetterbedingungen vorausgesetzt. Die ausführlichen Routenbeschreibungen zu jedem Anfänger-Munro findest du in meinem Blogartikel Munros für Anfänger.
Auch wenn einige Munros als „einfach“ gelten, bleiben sie Bergtouren, die alpinen Charakter haben können. Bist du noch nie in Schottland gewandert, könnte diese Seite für dich interessant sein: Wandern in Schottland – Dein kompletter Guide durch die Highlands.
Schiehallion – Im Herzen der Highlands

Schiehallion in den Central Highlands ist der perfekte Einstieg ins Munro-Bagging. Mit seiner ikonischen Spitze ist er von vielen Punkten in den Highlands sehr gut zu erkennen.
Dank seiner super Lage am Loch Rannoch und an der Grenze zu den West Highlands bietet sich dir von seinem Gipfel aus ein Traumpanorama in alle Richtungen.
Und das Beste: Es gibt einen gut ausgebauten Pfad vom Parkplatz bis fast zum Gipfel.
Mount Keen – Gediegen zu erwandern

Mount Keen ist der östlichste aller Munros und ist ein Ausläufer der Cairngorms.
Auch hier hast du den riesigen Vorteil, dass es einen guten Weg vom Parkplatz bis zum Gipfel gibt. Mount Keen ist etwas abgelegen, und der erste Teil der Wanderung führt dich das schöne Glen Mark.
Ben Hope – Super Aussichten im hohen Norden

Der nördlichste Munro – Ben Hope – ist ebenfalls ein Liebling vieler Anfänger. Ein gleich zu Anfang steiler Aufstieg auf einem guten Pfad wird schon bald mit einer klasse Sicht belohnt, die immer besser wird, je weiter man zum Gipfel vorstößt.
Dort angekommen, bietet sich ein traumhafter Ausblick auf die Nordsee, bei guter Sicht sogar auf die Orkney-Inseln, und über die einsame Weite Sutherlands.
Ich hoffe, dass dir dieser Artikel nun Lust aufs Munro-Bagging gemacht hat. Vielleicht sehen wir uns ja mal auf einem der 282 Gipfel. 😊
Allzeit schöne Abenteuer
Natalie
