Munros sind die 282 höchsten Gipfel in Schottland. Die Vorstellung, auf einem davon zu stehen und weite Landschaften zu überblicken, macht Munro-Bagging für viele zu einem echten Traum. Gleichzeitig sorgt die Höhe der Berge bei Einsteigern oft für Unsicherheit. Oft werde ich gefragt: „Sind Munros nicht zu anspruchsvoll? Braucht man dafür viel Erfahrung? Gibt es überhaupt Munros für Anfänger?“
In diesem Artikel werde ich diese Fragen ausführlich beantworten und dir zeigen, welche Munros sich für Einsteiger besonders gut eignen, worauf du bei der Auswahl achten solltest und wie du sicher in dein erstes Munro-Abenteuer startest.
Was bedeutet „Anfänger“ beim Munro-Bagging?
Den Begriff „Anfänger“ im Zusammenhang mit Munro-Bagging missverstehen viele. Er bedeutet nicht, dass jemand keinerlei Wandererfahrung hat oder untrainiert ist. Vielmehr bezieht er sich auf jemanden, der neu in den Bergen der Highlands ist.
Viele Einsteiger bringen durchaus solide Wandererfahrung aus anderen Regionen mit – etwa aus Mittelgebirgen oder den Alpen. Trotzdem fühlen sich die ersten Touren in Schottland oft ungewohnt an – spätestens dann wenn man bis zum Knie in ein Schlammloch eingesunken ist, weil man sich selbst einen Weg durchs Torfmoor suchen musste. In Schottland gibt es so gut wie keine Wegmarkierungen. Pfadloses Gelände ist die Norm, und die launischen Wetterverhältnisse der Highlands sind weit über ihre Grenzen hinaus bekannt.
Ein Anfänger in Sachen Munro-Bagging ist also jemand, der:
- die eigenen Grenzen im schottischen Gelände noch nicht gut einschätzen kann
- zum ersten Mal einen Munro besteigen möchte
- wenig Erfahrung auf unmarkierten Wegen und im pfadlosen Gelände hat
- wenig Erfahrung mit Navigation bei Nebel oder schlechter Sicht hat
Bestimmte Gipfel haben überschaubare Anforderungen – sie eliminieren nicht die Risiken. Auch gut geeignete Einsteiger-Munros verlangen dir in Sachen Kondition etwas ab, und ohne die Bereitschaft, bei ungünstigen Bedingungen umzukehren, gehst du am besten gar nicht erst los. Entscheidend ist nicht, wie viele Gipfel du bereits bestiegen hast, sondern wie gut du:
- Wetterberichte interpretieren kannst
- dein Tempo planen und deine Energie managen kannst
- das Gelände und das Wetter liest
- rechtzeitig sichere Entscheidungen triffst
Beim Einstieg ins Munro-Bagging ist es deshalb sinnvoll, nicht nach Berghöhe oder Prestige zu wählen, sondern immer jeweils nach den passenden Rahmenbedingungen. Diese Herangehensweise macht deine ersten Munro-Touren nicht nur sicherer, sondern auch deutlich entspannter.
Woran erkennt man einen gut geeigneten Munro für Anfänger?
Auf einen Blick
Gut geeignete Munros für Anfänger haben folgende Eigenschaften:
- Einfache Routen
- Leichtes Gelände
- Länge einer Halbtageswanderung
- Keine bis sehr wenig Navigationsherausforderungen
- Leicht erkennbare Abbruch- und Umkehrpunkte

Einfache und nachvollziehbare Routenführung
Als Einsteiger profitierst du von Routen, die gut zu gehen sind und möglichst wenig komplexe Navigationsentscheidungen erfordern. Ein vorhandener Pfad erleichtert die Orientierung – besonders bei schlechter Sicht.
Überschaubares Gelände
Breite Grashänge, feste Wege oder einfache Geröllpassagen sind für den Einstieg besser geeignet als ausgesetzte Grate, stark erodiertes Gelände oder Kraxelstrecken.
Moderate Länge und Höhenmeter
Viele Munros sind technisch einfach, aber die Wanderstrecken sehr lang. Für Anfänger ist eine Tour mit moderaten Höhenmetern und einer annehmbaren Gehzeit deutlich besser geeignet als ein vermeintlich „leichter“ Gipfel, der zuerst einen 20 km langen Marsch durchs Niemandsland erfordert. Eine Halbtageswanderung ist ideal für den Einstieg.
Geringe Navigationskomplexität
Munros, bei denen du auch bei Nebel oder schlechter Sicht den Routenverlauf gut nachvollziehen kannst, sind für den Einstieg ein klarer Vorteil. Weite Plateaus oder verzweigte Gipfelbereiche erfordern deutlich mehr Erfahrung und sind für Anfänger weniger geeignet.
Gute Umkehr- und Abbruchmöglichkeiten
Ein wichtiger Punkt, der oft unterschätzt wird: Gute Anfänger-Munros bieten sinnvolle Möglichkeiten, eine Tour vorzeitig abzubrechen, ohne sich in schwieriges Gelände begeben zu müssen. Gerade bei Wetterumschwüngen ist das ein entscheidender Sicherheitsfaktor.
Zusammengefasst gilt: Gut geeignete Munros für Anfänger sind Gipfel mit überschaubaren Anforderungen. Wenn du diese Kriterien berücksichtigst, schaffst du eine solide Basis für einen sicheren und stressfreien Einstieg ins Munro-Bagging.
Gut geeignete Munros für Anfänger in Schottland
In den folgenden Abschnitten stelle ich dir drei Routen vor, die die oben genannten Anforderungen erfüllen. Die Karten dienen lediglich zur Orientierung, nicht zur Navigation. Nimm am besten ein GPS-Gerät oder Smartphone mit Outdoor-Karten-App mit – noch besser Karte und Kompass. Bitte beachte auch, dass eine vermeintlich einfache Munro-Wanderung ebenfalls gute Planung, Vorbereitung und die passende Ausrüstung erfordert. Los geht’s!
Schiehallion – Im Herzen der Highlands

Schiehallion befindet sich am östlichen Rand der Central Highlands zwischen Loch Tay im Süden und Loch Rannoch im Norden. Mit 1.083 m gehört er zu den höheren Bergen in der Region und ist ein super Aussichtspunkt – meiner Meinung nach definitiv einer der schönsten Anfänger-Berge in Schottland. Er hat eine sehr ikonische Spitze und eine steil abfallende Westflanke, wenn man ihn von Norden oder Westen aus sieht.


Seine Ostflanke ist jedoch weniger steil – und von dort nähern wir uns ihm auf einer sehr geradlinigen Wanderung, die insgesamt 10 Kilometer lang ist und je nach Fitnesslevel und Anzahl an Fotostops zwischen 3,5 und 5 Stunden in Anspruch nimmt. Der Parkplatz (Braes of Foss Car Park zwischen Aberfeldy und Kinloch Rannoch) befindet sich direkt am Fuß des Berges und wir sehen sofort, dass der Weg uns zuerst über einen sanften Aufstieg auf einen breiten Kamm führt.
Über einen gut ausgebauten Weg gelangen wir in eine offene Heidelandschaft am Fuß des Berges. Von dort an führt uns der Weg gleichmäßig bergauf. Sobald wir die Kammhöhe erreicht haben, verliert sich der Pfad in einem Geröllfeld. Bei guter Sicht sehen wir jedoch, wo wir hinmüssen: Schiehallions ikonische Spitze ist gut sichtbar vor uns.
Die ganze Zeit über bieten sich uns vom Kamm aus schon schöne Fotomotive: Rechts (nördlich) von uns die Ausläufer der Cairngorms und Loch Tummel; links (südlich) von uns die vier Munros rund um Glen Lyon und dahinter der Lawers Range (eine Kette mit 7 Munros). Das wahre Highlight ist jedoch die Aussicht nach Westen, wenn wir den Gipfel erreicht haben. Hier sehen wir über die volle Länge von Loch Rannoch hinweg auf die Gebirgsketten der West Highlands am Horizont.
Mount Keen – Der östlichste Munro

Mount Keen ist der am weitesten östlich liegende Munro in Schottland am Ostrand des Cairngorm Nationalparks. Mit seinen 939 m Höhe gehört er eher zu den niedrigen Munros, ist dank seiner Lage in einer von rollenden Hügeln eingebetteten Landschaft aber trotzdem ein toller Aussichtspunkt.

Er lässt sich auf einer 18 Kilometer langen Wanderung durch Glen Mark sehr einfach erreichen. Ein gut ausgebauter Weg führt uns hier bis fast zum Gipfel. Startpunkt ist der Invermark Car Park. Von hier gehen wir die Straße nach Westen entlang, an einer kleinen Kirche vorbei, bis wir an eine Abzweigung kommen. Dort biegen wir rechts ab, gehen an einem Haus vorbei und wenig später durch ein Tor, das uns auf einem bequemen Weg in Glen Mark hineinführt.
Wir gehen etwas mehr als 3 Kilometer am Bach entlang und erreichen dann einen Pavillon, der bei näherem Betrachten wie eine Krone aussieht. Das ist der Queen’s Well – der Brunnen der Queen. Er wurde 1861 zu Ehren Königin Victorias errichtet, die mit ihrem Gemahl Prinz Albert ihren Sommerwohnsitz in Balmoral Castle nicht weit entfernt hatte und die Natur in dieser Gegend sehr gerne genoss.


Vom Queen’s Well gehen wir weiter und biegen an der nächsten Abzweigung rechts ab, wo wir ein kleines Haus passieren und danach eine Brücke. Von hier führt uns der Weg gemächlich, aber stetig hinauf zum Gipfel von Mount Keen. Hier haben wir nach Westen eine schöne Sicht auf die höheren Gipfel der östlichen Cairngorms. Richtung Osten rollen die niedrigeren Hügel Aberdeenshires zur Küste hin aus.
Wir begeben uns auf demselben Weg zurück. Wenn wir die Abzweigung zur Straße wieder erreicht haben, lohnt es sich, anstatt nach links zum Parkplatz zurückzugehen, noch einen kleinen Abstecher zur Burgruine von Invermark Castle zu machen. Wer dann immer noch nicht genug hat, kann dem Weg von dort auch weiter folgen und gelangt nach knapp einem Kilometer an einen kleinen Friedhof direkt am Ufer des wunderschön in ein Tal eingebetteten Loch Lee.
Ben Hope – Ein Aussichtsfest im hohen Norden

Ben Hope ist der nördlichste Munro und bietet dank seiner Lage nahe der Nordküste dramatische Ausblicke – sowohl auf die Nordsee als auch ins mit Seen gesprenkelte Niemandsland Sutherlands und Assynts – der am dünnsten besiedelten Region Schottlands. Schon allein die Fahrt zum Startpunkt auf einer einsamen Single Track Road ist ein echtes Erlebnis.
Wir starten auf einem kleinen Parkplatz zwischen Altnaharra und Hope. Ein Schild zeigt uns auch sogleich, wo der Weg zum Berg anfängt. Diesem folgen wir auf einem gut ausgetrampelten Pfad praktisch bis zum Gipfel. Die erste Hälfte des Aufstiegs ist sehr steil und schweißtreibend, wird jedoch mit jedem gewonnenen Höhenmeter mit einer immer besser werdenden Aussicht belohnt.

Insgesamt ist die Wanderung lediglich 7,5 Kilometer lang, aber wir fangen hier fast auf Meereshöhe an, sodass mehr als 900 Höhenmeter zusammenkommen, um den 927 m hohen Gipfel zu erreichen.

Die Aussichten, die sich uns schon während des Aufstiegs bieten, sind einmalig. Im Osten erstreckt sich das Hochmoor Sutherlands, im Süden und Westen die zerklüftete Landschaft Assynts mit ihren zahlreichen Mini-Gebirgszügen.
Richtig dramatisch wird es aber, wenn wir den Gipfel erreicht und freien Blick nach Norden zum Meer haben: Direkt westlich neben uns ist Loch Hope und neben diesem Loch Eriboll – ein tief ins Festland einschneidender Fjord. Im Osten erkennen wir den Kyle of Tongue – ebenfalls ein Fjord – und wenn wir einen Tag mit super Sicht erwischen, sehen wir am Horizont sogar die Orkney-Inseln. Ein wahres Fest für Fotografen.
Wann ist die beste Zeit für den Einstieg ins Munro-Bagging?
Nicht der Kalender allein entscheidet darüber, ob eine Tour sinnvoll ist, sondern das Zusammenspiel aus Jahreszeit, Wetter, Tageslänge und persönlicher Verfassung. Die besten Rahmenbedingungen – sprich: gutes Wetter – bieten sich dir jedoch in den Monaten, in denen man statistisch gesehen die stabilsten Bedingungen für Bergtouren in Schottland vorfindet: Mai, Juni, September und Oktober. In diesen Monaten sind die Tage lang, die Temperaturen moderat und winterliche Bedingungen in der Regel kein Thema.
Weniger geeignet für Anfänger sind dagegen:
- Winter und frühes Frühjahr, wenn Schnee, Eis, Lawinengefahr und kurze Tage einen Bergtag um einiges anspruchsvoller machen
- Tage mit starkem Wind, Dauerregen oder schlechter Sicht
Als Einsteiger profitierst du davon, deine ersten Munro-Touren bewusst auf die „Schönwettertage“ zu legen. Der Gipfel läuft dir nicht davon.
Typische Fehler von Einsteigern beim Munro-Bagging
Viele Schwierigkeiten beim Munro-Bagging entstehen nicht aus mangelnder Fitness, sondern aus Fehleinschätzungen.
Einige der häufigsten Fehler, die ich oft beobachte:
- Unterschätzung, weil die Berge so niedrig sind
Die Höhe allein sagt wenig über den tatsächlichen Anspruch einer Tour aus. Länge, Gelände und Wetter sind entscheidend. - Zu optimistische Zeitplanung
Gerade im schottischen Gelände ist man häufig langsamer unterwegs als gedacht – besonders abseits gut ausgebauter Wege. Stichwort: Wegfindung im Schlammloch-Minenfeld oder am Geröllhang - Wetter wird nicht ernst genug genommen
Wind, Nebel und Regen können eine eigentlich einfache Tour schnell anspruchsvoll machen. - Navigation wird vernachlässigt
Auch bei klaren Routen ist es wichtig, jederzeit zu wissen, wo man ist – besonders, wenn sich die Sicht verschlechtert. - Gipfelfieber
Eine Umkehr ist keine Niederlage, sondern oft die beste Entscheidung des Tages, wenn die Bedingungen das erfordern. - Orientierung am Tempo und Ehrgeiz anderer
Gerade in Gruppen entstehen manchmal unnötige Risiken, weil die einen davonziehen und die schwächeren Mitglieder das Gefühl haben, mithalten zu müssen. Beim Gruppenwandern gilt jedoch: Der Schwächste gibt das Tempo vor. Wer damit nicht klarkommt, ist fürs Wandern in der Gruppe nicht geeignet.
Behältst du diese Punkte im Blick, reduzierst du Risiken deutlich und legst eine solide Basis für weitere Munro-Touren.
Sicherheit & Vorbereitung für den ersten Munro
Auch gut geeignete Einsteiger-Munros erfordern sorgfältige Vorbereitung. Dazu gehören:
- eine realistische Routenplanung
- das Prüfen mehrerer Wetterberichte
- passende Ausrüstung für Wind, Regen und Kälte
- ausreichend Zeit- und Energiereserven
Besonders wichtig ist, dass du Entscheidungen unterwegs immer wieder überprüfst. Bedingungen können sich schnell ändern, und ein verpasster Gipfel ist nicht gleichbedeutend mit einem schlechten Erlebnis. Im Gegenteil: Von Misserfolgen lernst du am meisten.
Möchtest du dich mit den Grundlagen des Wanderns in den Highlands vertraut machen, schau mal in meinen Online-Guide „Wandern in Schottland„. Dort findest du viele Infos zu fundierter Routenplanung, dem schottischen Wetter, und erhältst wichtige Tipps zu Sicherheit und anderen Themen.
Munros für Anfänger – allein oder mit Guide?
Ob man die ersten Munros allein oder mit Begleitung angeht, ist eine sehr persönliche Entscheidung. Beide Optionen können sinnvoll sein – abhängig von Erfahrung, Selbstvertrauen und Ziel der Tour.
Allein unterwegs zu sein kann gut funktionieren, wenn:
- du bereits Erfahrung mit Navigation hast
- du dich im Gelände sicher bewegst
- du deine eigenen Grenzen realistisch einschätzen kannst
Ein Guide kann dagegen besonders dann sinnvoll sein, wenn:
- du neu beim Wandern in Schottland bist
- du lernen möchtest, wie Touren geplant und unterwegs angepasst werden
- du dich voll auf das Erlebnis konzentrieren willst, ohne ständig Entscheidungen abwägen zu müssen
- dein Selbstvertrauen schnell auf einen neuen Level heben möchtest, weil der Guide auch ein Coach sein kann
Geführte Touren bieten zudem die Möglichkeit, Wissen direkt unterwegs zu vertiefen – etwa zu Routenwahl, Navigation, Wetterinterpretation oder Entscheidungsfindung.
Auf der Seite Geführte Abenteuer beschreibe ich genauer, wie ich dich bei einer Tour unterstützen kann.
Fazit: Munro-Bagging beginnt mit guter Planung
Munros sind ein super Einstieg in die schottische Bergwelt – vorausgesetzt, du wählst deine Ziele sorgfältig aus. Nicht jeder Gipfel muss gleich beim ersten Versuch erreicht werden, und nicht jeder Munro ist für jede Person oder jede Wetterlage geeignet.
Ein guter Einstieg ins Munro-Bagging beginnt nicht mit der Höhe eines Gipfels, sondern mit klugen Entscheidungen. Lass dir Zeit, nimm die Bedingungen unterwegs ernst und genieße den Weg – auch wenn er nicht ganz bis zum Gipfel führt. Auf jeder Tour gewinnst du Erfahrung, und die wird bei deinen zukünftigen Abenteuern Gold wert sein.
Allzeit schöne Abenteuer
Natalie
