Für erfahrene Bergwanderer bietet der Ben eine anspruchsvolle und zugleich wunderschöne Route über seine eindrucksvolle Nordseite. Auf jener Seite zeigt der Ben seinen wahren Charakter: unberechenbar und wild. Die Strecke führt zuerst auf Càrn Mòr Dearg (sprich: Karn Mohr Dschäräg), und dann über den Càrn Mòr Dearg Arête (kurz: CMD Arête) auf Ben Nevis.
Auf einen Blick
- Länge: 17 km
- Höhenmeter: 1.540 m
- Dauer: 9 – 10 Stunden
Was ist der CMD Arête?
Der Höhepunkt der Wanderung ist der Abschnitt über den CMD Arête – einen Bergkamm, der Ben Nevis mit seinem Nachbarn – Càrn Mòr Dearg (ebenfalls ein Munro) – verbindet.
Der Kamm fällt steil auf beiden Seiten ab. Es ist also gute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich. Wer möchte, kann über die Felsen auf dem Arête entlangkraxeln. Es ist jedoch auch jederzeit möglich, den Kamm zu verlassen und auf einem weniger ausgesetzten Geröllpfad unterhalb des Kamms entlangzugehen.
Bei Regen rate ich unerfahrenen Bergwanderern von dieser Route ab, da ein erhöhtes Absturzrisiko besteht. Ebenso ungeeignet ist die Route bei starkem Wind.
Für wen ist der CMD Arête geeignet – und für wen nicht?
Geeignet für:
- Erfahrene Bergwanderer mit hoher Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
- Fitte Wanderer, die den CMD Arête mit einem Guide gehen
Nicht geeignet für:
- Personen ohne Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
- Wanderneulinge

Der CMD Arête ist eine sehr anspruchsvolle Wanderroute. Geeignet ist sie daher nur für erfahrene Bergwanderer, die absolut trittsicher und schwindelfrei sind. Zusätzlich ist auch eine gute Planung erforderlich, insbesondere der Blick auf die Wettervorhersage am Morgen vor der geplanten Wanderung, sowie eine wettergerechte Ausrüstung.
Wer sich unsicher ist, ob der CMD Arête zur eigenen Erfahrung passt, ist mit der Besteigung über den Mountain Path deutlich besser beraten.
Hast du schon einige Wandererfahrung und suchst eine Challenge, begleite ich dich gerne über den CMD Arête auf den Ben Nevis.
Wann der CMD Arête keine gute Idee ist
Auch wenn du schon viel Erfahrung im Bergwandern hast, gibt es manchmal Situationen, in denen die Strecke auf den Ben Nevis über den CMD Arête keine gute Idee ist:
- Bei starkem Wind
Es besteht Absturzgefahr auf dem Arête, wenn unberechenbare Sturmböen dich aus der Balance bringen. - Bei Nässe
Die Felsen auf dem Arête können sehr rutschig sein. Das erfordert extra Trittsicherheit und Konzentration. Ich empfehle dir einen Schönwettertag für diese anspruchsvolle Strecke. - Bei Nebel
Bist du ein Ass im Navigieren mit Karte und Kompass ist Nebel kein K.O.-Kriterium. Hast du diese Kenntnisse jedoch nicht, besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, dass du ungewollt in sehr steiles und absturzgefährdetes Gelände gerätst. - Bei Müdigkeit
Hast du schon einige Wanderungen in den Knochen oder nicht besonders gut geschlafen, rate ich dir ebenfalls von dieser Wanderung ab, denn sie erfordert viel Aufmerksamkeit und Ausdauer.
Anforderungen & Schwierigkeiten des CMD Arête
Mit 17 km Gesamtstrecke und 1.540 Höhenmetern ist die CMD-Route etwas länger und mit mehr Auf und Ab verbunden als die Standardroute über den Mountain Path.
Aufgrund des anspruchsvolleren Geländes und je nachdem, wie viel Zeit man mit Kraxeln auf dem Arête verbringt, ist man zeitlich deutlich länger unterwegs als über den Mountain Path. Eine durchschnittlich fitte Gruppe benötigt zwischen 9 und 10 Stunden (bei gutem Wetter und ohne Schnee und Eis!).
Am Ende des Arête-Abschnitts geht der Kamm in ein Geröllfeld über, auf dem die letzten 300 Höhenmeter zurückzulegen sind. Für die meisten ist das der mühseligste Teil der Wanderung, da das Klettern über die Geröllbrocken viel Konzentration und Ausdauer erfordert.
Eine Route mit viel Abwechslung

Anstatt am Ben Nevis Visitor Centre starten wir am North Face Car Park, ungefähr 5 km nordöstlich von Fort William. Auch hier empfiehlt es sich, früh anzukommen, da der Parkplatz klein und ein sehr beliebter Ausgangspunkt ist (hauptsächlich für Kletterer und Bergsteiger).
Durch einen Wald geht es auf einem guten Pfad bergauf, bis wir bald offenes Heideland erreichen. Hier bekommen wir schon einen ersten Blick auf die mächtige Rückseite des Bens. Wir gehen ein Stück weit am Bach entlang und halten uns dann links auf einem Trampelpfad, der uns zum Gipfel von Càrn Mòr Dearg führt. Der Blick nach rechts wird hier immer dramatischer, je mehr uns der Ben von seiner Nordseite zeigt.
Von Càrn Mòr Dearg haben wir einen herrlichen Blick über die gesamte Länge des CMD Arête – das Highlight unserer Wanderung. Die Nordseite von Ben Nevis ist nicht minder beeindruckend – kein Vergleich zur eher „lieblich-sanften“ Südseite.

Schnell wird klar, warum die Nordwand des Bens bei Kletterern und Bergsteigern so beliebt ist: Unzählige, steile Rinnen und Kämme verlaufen zwischen und entlang der zerklüfteten Felsen. Hier ist für jeden Kletter-Schwierigkeitsgrad etwas dabei – im Sommer wie im Winter. An einem schönen Tag siehst du auf der Nordseite garantiert irgendwo ein Team, das den vertikalen Weg zum Plateau nimmt.
Weiter geht’s über den CMD Arête. Es ist möglich, die komplette Strecke bis zum Beginn des Geröllfeldes auf der Kammkrone entlangzukraxeln. Wer das nicht möchte oder es ab und zu etwas gemütlicher angehen lassen möchte, findet auf der linken Seite des Kamms meist eine Ausweichstrecke, auf der sich das Kraxeln vermeiden lässt.

Der CMD Arête geht nahtlos in ein steiles und pfadloses Geröllfeld über, das wir auf dem Weg zum Gipfel noch durchqueren müssen. Wir halten uns stets lieber weiter links als rechts, damit wir nicht plötzlich am Abgrund stehen. Diese letzten 300 Höhenmeter sind die kräftezehrendsten und mühseligsten der ganzen Wanderung – ich nenne das Geröllfeld das „Bossmonster“, die letzte Instanz, die wir noch überwinden müssen, bevor wir unsere Belohnung erhalten.
Bald schon flacht der Boden unter uns jedoch ab und wir erreichen das Plateau. Bei guter Sicht erkennen wir sofort die Überreste der ehemaligen Wetterstation (Observatory genannt), die sich nahe des Gipfel-Cairn befindet. Was uns aber nach den letzten Stunden so richtig auffällt, ist etwas ganz anderes: Menschen! Viele davon. Kein Vergleich zu dem, was wir auf unserer bisherigen Wanderung gesehen haben.
Genau wie die anderen sind wir auf dem Gipfel des Bens angekommen – auf dem Dach Großbritanniens, doch wir haben die anspruchsvolle Route genommen. Das Gefühl der Genugtuung, Ben Nevis auf diesem Weg erreicht zu haben, lässt uns gleich noch breiter in die Kamera grinsen, wenn wir unser Gipfel-Selfie schießen.
Der Rückweg
Der Weg nach unten führt uns ein Stück über die Zickzacks des Mountain Path, wo wir gemeinsam mit vielen anderen den Rückweg antreten. Haben wir den See auf 600 m Höhe erreicht, verlassen wir die Kolonne. Anstatt geradeaus weiter in Richtung Ben Nevis Visitor Centre zu gehen (es sei denn, wir haben dort ein zweites Auto abgestellt 😉), gehen wir den Pfad an der Längsseite des Sees entlang.
Dort wird es sogleich ruhiger. Wir lassen den See schließlich hinter uns und begeben uns nun hinunter ins Tal. Wir zielen auf den Bach Allt a‘ Mhuilinn und suchen uns dort eine gute Stelle, wo wir überqueren können. Schließlich sind wir wieder auf dem Weg, auf dem wir morgens in unser Abenteuer hineinmarschiert sind. Mit einem rundum guten Gefühl begeben wir uns zum Parkplatz – etwas müde vielleicht, aber garantiert mit tollen Erinnerungen.
Der CMD Arête – für Erfahrene das Non-Plus-Ultra
Der CMD Arête ist eine der Routen, weshalb viele erfahrene Bergwanderer zum Wandern nach Schottland kommen: Bei gutem Wetter bietet er ein wunderbares Erlebnis vor herrlicher Kulisse. Die Route führt nicht nur über einen spaßigen Bergkamm zum höchsten Gipfel Großbritanniens, sondern uns bieten sich unterwegs auch Aussichten die ihresgleichen suchen. Besonders die zerklüftete Nordseite des Bens lässt einen immer wieder vor Ehrfurcht innehalten.
Wenn du bereits viel Bergwandererfahrung hast, kann der CMD Arête eine echt coole Strecke für dich sein. Wenn du unsicher bist, ob sie im Moment zu dir passt, kannst du dich gern auf meiner Seite Geführte Abenteuer umsehen. Dort beschreibe ich, wie ich bei solchen Touren unterstütze.
Allzeit schöne Abenteuer
Natalie
